Bereits am 12.2. hatte ich ein Gespräch mit Herrn Peters, dem Projektleiter Virtuelles Rathaus Solingen und zwei seiner Mitarbeiter. Leider konnte ich darüber bisher noch nicht berichten. Das Gespräch war für mich sehr interessant. Scheinbar tragen die Bürger nur sehr selten Wünsche an die Stadt heran, die die IT betreffen. Man fand meine Idee ganz interessant und will bei den einschlägigen Stellen (Stadtbibliothek, VHS) nachfragen, ob dort Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden können. Generell hätte man wohl gerne einen Verein als Gesprächs- oder Vertragspartner, wenn man Räumlichkeiten oder andere Leistungen zur Verfügung stellt. Das habe ich bereits befürchtet. Angesichts der momentan sehr kleinen Open-Source-Community in Solingen halte ich den Aufwand für eine Vereinsgründung nicht für gerechtfertigt. Aber vielleicht wächst die Community ja.
Ich war drei Tage auf dem Heise-Kongress “Open Source Meets Business“. Das Big Business inkl. Microsoft – sie alle sind jetzt auf den Open-Source-Zug aufgesprungen. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie verzweifelt versuchen, in der vielfältigen Open-Source-Welt so etwas wie die Kommunikations-Hoheit zu gewinnen. So hat HP auf dem Kongress zwei neue Plattformen angekündigt, die sich FLOSSology und FLOSSbazaar nennen. Man hat immer noch ein wenig den Eindruck, als ob Open-Source für die Großen nicht mehr als eine Mode ist, die man natürlich marketingmäßig ausnutzen muss.
Die Community war in Nürnberg so gut wie nicht existent. Es ist eine Show, bei der halt Open-Source das Thema ist. Es könnte auch Web 2.0, Mobiles Internet, Social Networks oder sonst etwas sein. Niemand will das Milliardengeschäft verpassen.
Aber es gab auch noch die kleinen Firmen, die spezielle Software-Lösungen angeboten haben, und einige Nutzer, die in ihren Vorträgen erläuterten, wie sie Open-Source-Software in ihrem Betrieb einsetzen. In diesen Vorträgen ging es dann schon eher um die handfesten Vorteile, die dem Nutzer erwachsen, wenn er offene Software einsetzt.
Am Mittwoch gab es einen Empfang auf der Kaiserburg, bei dem die Nürnberger Stadtväter von Flocke, dem Eisbärbaby schwärmten, das der Zoo sich angeschafft hatte, wohl mit dem Marketing-Erfolg der Berliner vor Augen. Und sie nutzten die Gelegenheit, um allen anwesenden Open-Source-Firmen Nürnberg als Standort zu empfehlen. Sie brachten dabei neben der Uni auch den Open Source Business Foundation e.V. ins Spiel, der früher Linux Business Campus Nürnberg hieß. Nürnberg positioniert sich ganz bewusst als Standort für Open-Source-Software-Firmen.
Ob die Uni, an der vor allem ein Institut für Embedded Lösungen hervorzuheben ist, nun ein echtes Argument ist, sich in Nürnberg niederzulassen, ist eine interessante Frage. Denn zwei Amerikaner, Dr. Dewar und Dr. Schonberg, haben in einem Artikel die miserable IT-Ausbildung an amerikanischen Universitäten beklagt. Die heutigen IT-Absolventen sind, so Dewar und Schonberg, unfähig zu programmieren. Dies muss auch in Deutschland so sein, denn ein Bekannter von mir, der unter den Jahrgangsbesten einer renommierten Uni nach Personal suchte, wurde bitter enttäuscht. Die Jahrgangsbesten war nicht in der Lage, einfachste Programmieraufgaben zu lösen, Aufgaben, wie man sie zum Beispiel in dem Programmier-Lehrbuch für Kinder “Python für Kids” zuhauf findet.
Wer sich fürs Programmieren interessiert, lernt es nicht auf der Uni, sondern bereits vorher als Mitglied einer Open-Source-Community. Wenn die universitäre Ausbildung so fehl schlägt, wie das wohl offensichtlich der Fall ist, dann sind Open-Source-Communities als Wissens- und Know-how-Vermittler noch wichtiger. Eine Erkenntnis, die auf dem Kongress “Open Source Meets Business” natürlich keinerlei Rolle spielte.
Und überhaupt bleibt ein schaler Geschmack. Unsere Gesellschaft, sowohl in den USA als auch hier in Deutschland, ist ganz offensichtlich nicht willens, ihre Jugend sinnvoll auszubilden. Das soll wohl bitteschön kostenlos in Open-Source-Communities geschehen.
Anstatt gute Vorsätze fürs nächste Jahr zu fassen, habe ich noch eine gute Tat im alten Jahr vollbracht. ![]()
Ich hab eine Mail an die Solinger Ratsfraktionen und unseren Oberbürgermeister, Herrn Haug, geschickt und sie auf die FLOSS-Initiative hingewiesen.
Mal sehen, wer sich im neuen Jahr als Erster meldet.
Ich habe heute zwei Thesenpapiere fertiggestellt, die sich an Kommunen bzw. kleine und mittelständische Unternehmen wenden und ihnen zeigen, welche Vorteile sie realisieren können, wenn sie FLOSS-Communities fördern.
Ich hoffe, dass sich die Stadt Solingen und einige Solinger Unternehmen mit diesen Argumenten dazu bewegen lassen, ein FLOSS-Zentrum in Solingen zu unterstützen.
Kurz vor Weihnachten darf man sich ja etwas wünschen. Also wünsche ich mir ein FLOSS-Zentrum in Solingen, einen Raum, in dem sich Open-Source-Gruppen treffen können, um Vorträge, Workshops, Seminare abzuhalten oder um sich bei Bier und Pizza über ihre Lieblingssoftware auszutauschen.
Wie sollte ein solches FLOSS-Zentrum aussehen?
- Raum mit Tischen und Sitzgelegenheiten für ca. 20 Personen
- Teeküche mit Kühlschrank, Kaffeemaschine etc.
- WLAN in den Räumlichkeiten sowie ein Breitbandzugang zum Internet
- Beamer für Präsentationen
- Eine weiße Wand bzw. Leinwand zur Projektion
- Verdunklungsmöglichkeiten
- Kabelgebundene Netzwerkanschlüsse für Personen, die nicht ins WLAN kommen
- Zahlenmäßig ausreichende Stromanschlüsse
Es wäre schön, wenn die Stadt Solingen oder ein Sponsor aus der Wirtschaft einen solchen Raum zur Verfügung stellen könnte.
