Ich war drei Tage auf dem Heise-Kongress “Open Source Meets Business“. Das Big Business inkl. Microsoft – sie alle sind jetzt auf den Open-Source-Zug aufgesprungen. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie verzweifelt versuchen, in der vielfältigen Open-Source-Welt so etwas wie die Kommunikations-Hoheit zu gewinnen. So hat HP auf dem Kongress zwei neue Plattformen angekündigt, die sich FLOSSology und FLOSSbazaar nennen. Man hat immer noch ein wenig den Eindruck, als ob Open-Source für die Großen nicht mehr als eine Mode ist, die man natürlich marketingmäßig ausnutzen muss.

Die Community war in Nürnberg so gut wie nicht existent. Es ist eine Show, bei der halt Open-Source das Thema ist. Es könnte auch Web 2.0, Mobiles Internet, Social Networks oder sonst etwas sein. Niemand will das Milliardengeschäft verpassen.

Aber es gab auch noch die kleinen Firmen, die spezielle Software-Lösungen angeboten haben, und einige Nutzer, die in ihren Vorträgen erläuterten, wie sie Open-Source-Software in ihrem Betrieb einsetzen. In diesen Vorträgen ging es dann schon eher um die handfesten Vorteile, die dem Nutzer erwachsen, wenn er offene Software einsetzt.

Am Mittwoch gab es einen Empfang auf der Kaiserburg, bei dem die Nürnberger Stadtväter von Flocke, dem Eisbärbaby schwärmten, das der Zoo sich angeschafft hatte, wohl mit dem Marketing-Erfolg der Berliner vor Augen. Und sie nutzten die Gelegenheit, um allen anwesenden Open-Source-Firmen Nürnberg als Standort zu empfehlen. Sie brachten dabei neben der Uni auch den Open Source Business Foundation e.V. ins Spiel, der früher Linux Business Campus Nürnberg hieß. Nürnberg positioniert sich ganz bewusst als Standort für Open-Source-Software-Firmen.

Ob die Uni, an der vor allem ein Institut für Embedded Lösungen hervorzuheben ist, nun ein echtes Argument ist, sich in Nürnberg niederzulassen, ist eine interessante Frage. Denn zwei Amerikaner, Dr. Dewar und Dr. Schonberg, haben in einem Artikel die miserable IT-Ausbildung an amerikanischen Universitäten beklagt. Die heutigen IT-Absolventen sind, so Dewar und Schonberg, unfähig zu programmieren. Dies muss auch in Deutschland so sein, denn ein Bekannter von mir, der unter den Jahrgangsbesten einer renommierten Uni nach Personal suchte, wurde bitter enttäuscht. Die Jahrgangsbesten waren nicht in der Lage, einfachste Programmieraufgaben zu lösen, Aufgaben, wie man sie zum Beispiel in dem Programmier-Lehrbuch für Kinder “Python für Kids” zuhauf findet.

Wer sich fürs Programmieren interessiert, lernt es nicht auf der Uni, sondern bereits vorher als Mitglied einer Open-Source-Community. Wenn die universitäre Ausbildung so fehl schlägt, wie das wohl offensichtlich der Fall ist, dann sind Open-Source-Communities als Wissens- und Know-how-Vermittler noch wichtiger. Eine Erkenntnis, die auf dem Kongress “Open Source Meets Business” natürlich keinerlei Rolle spielte.

Und überhaupt bleibt ein schaler Geschmack. Unsere Gesellschaft, sowohl in den USA als auch hier in Deutschland, ist ganz offensichtlich nicht willens, ihre Jugend sinnvoll auszubilden. Das soll wohl bitteschön kostenlos in Open-Source-Communities geschehen.

Filed January 25th, 2008 under Uncategorized